Luftfeuchtigkeit im Winter richtig messen: Holz bleibt stabil
Die Heizperiode setzt jedem Holz zu. Wer Parkett oder Massivholzmöbel besitzt, kennt das Problem: Im Winter sinkt die relative Luftfeuchtigkeit in beheizten Räumen oft auf Werte zwischen 20 und 30 Prozent. Holz ist hygroskopisch, das heißt, es nimmt Feuchtigkeit aus der Umgebungsluft auf und gibt sie wieder ab. Unterschreitet die Umgebungsluft dauerhaft die Ausgleichsfeuchte des Holzes, schwindet das Material. Die Folge sind Fugen im Parkett, Risse in Tischplatten und verzogene Schranktüren. Entscheidend ist deshalb nicht die gefühlte Wärme, sondern die tatsächlich gemessene Luftfeuchtigkeit direkt in der Nähe der Möbel.
Ein einfaches Hygrometer reicht für den Hausgebrauch aus, sofern es zuverlässig kalibriert ist. Digitale Geräte mit Datenlogger sind genauer und zeigen den Verlauf über Tage. Wichtig ist der Standort: Wer die Luftfeuchtigkeit im Winter richtig messen will, platziert das Gerät etwa einen Meter über dem Boden und mindestens einen Meter von Heizkörpern und Außenwänden entfernt. Direkt über der Heizung misst man ein völlig verzerrtes Bild. Wer zusätzlich wissen möchte, wie sich temperierte Bauteile wie Massivholzmöbel in der Heizperiode verhalten, findet dort Hinweise zu kapillarrohrgeführten Systemen, die Feuchtigkeit und Temperatur im Möbelkörper selbst regulieren. Solche Konstruktionen reagieren träger, aber gleichmäßiger als reine Raumluftbefeuchtung.
Als Faustregel gilt: Relative Luftfeuchtigkeit zwischen 40 und 55 Prozent bei einer Raumtemperatur von 20 bis 22 Grad halten Holzmöbel und Parkett stabil. Fällt der Wert darunter, sollte befeuchtet werden. Verdunster an der Heizung, Luftwäscher oder einfache Wasserschalen helfen, wobei die Verdunstungsleistung begrenzt bleibt. Ein Blick auf das Hygrometer zweimal täglich genügt, um gegenzusteuern, bevor das Holz reagiert. Wer erst nach dem Knacken der Dielen misst, hat bereits Schaden genommen.
Zu hohe Luftfeuchtigkeit ist allerdings ebenso problematisch. Über 60 Prozent drohen Schimmel an kalten Außenwandecken und Quellung im Parkett. Die Kunst liegt im Messen und Regulieren, nicht im blinden Befeuchten. Ein preiswertes Hygrometer, ein regelmäßiger Blick und angepasstes Lüften decken den Großteil des Risikos ab. Wer die Werte über die gesamte Heizperiode dokumentiert, erkennt Muster und kann früh eingreifen, bevor sich Fugen oder Risse dauerhaft ausbilden.