Natürliche Baustoffe im Altbau: Lehmputz fürs Raumklima
Alte Gebäude haben ein Problem, das sich nicht mit einer neuen Heizung lösen lässt: Ihre Wände sind oft mit Zementputz, Kunstharzfarben oder dichten Tapeten versiegelt. Damit kann die Wand nicht mehr atmen, Feuchtigkeit staut sich, im Sommer wird es stickig, im Winter trocknet die Luft aus. Wer einen Altbau saniert, sollte deshalb zuerst über den Putz nachdenken und erst danach über die Technik. Lehmputz ist hier die naheliegendste Lösung, denn er kann genau das, wofür sonst Lüftungsanlagen und Luftbefeuchter eingebaut werden.
Lehm nimmt Feuchtigkeit auf, wenn die Raumluft zu feucht ist, und gibt sie wieder ab, wenn sie zu trocken wird. Diesen Ausgleich schafft er von allein, ohne Strom, ohne Wartung, ohne Filterwechsel. Dazu bindet er Gerüche und Schadstoffe aus der Luft und sorgt für eine gleichmäßigere Temperatur an der Wandoberfläche. In Kombination mit modernen Fertigungsmethoden entstehen heute sogar Möbelstücke, die dieselbe Funktion übernehmen; wer sich dafür interessiert, findet unter 3D-gedruckte Lehm-Möbel eine ausführliche Einordnung dieser Entwicklung. Entscheidend bleibt aber das Prinzip: Die Wand arbeitet, nicht die Maschine.
Vor dem Verputzen muss der Untergrund stimmen. Alte, lose Putzschichten gehören entfernt, saugfähige Flächen werden grundiert, und in Feuchträumen braucht es einen geeigneten Aufbau. Ein reiner Lehmputz ist nicht wasserfest, für Küche und Bad gibt es jedoch Mischungen mit mineralischen Zuschlägen. Wer handwerklich geschickt ist, kann kleinere Flächen selbst verputzen; bei großen Wandflächen oder denkmalgeschützten Fassaden ist ein erfahrener Betrieb die bessere Wahl. Die Trocknungszeit liegt je nach Schichtdicke bei mehreren Tagen bis Wochen, in denen der Raum gut gelüftet werden sollte.
Der Aufwand lohnt sich über viele Jahre. Ein Lehmputz hält Jahrzehnte, lässt sich reparieren und muss nicht gestrichen werden, wenn man eine mineralische Lasur verwendet. Er verbessert das Raumklima spürbar, senkt den Bedarf an technischer Lüftung und passt zu Bestandsgebäuden, die ohnehin auf diffusionsoffene Bauweise ausgelegt waren. Wer im Altbau saniert, sollte Lehm deshalb nicht als romantische Alternative abtun, sondern als funktionale Bauphysik behandeln.