Schallschutz im Altbau verbessern: welche Wände und Decken sich
Schallschutz im Altbau ist ein Thema, das viele Eigentümer unterschätzen, bis der Nachbar morgens um sechs Uhr den Mixer anwirft oder die Schritte aus der Wohnung darüber wie Trommelschläge durch die Decke dringen. Anders als im Neubau, wo schwimmender Estrich und getrennte Wandsysteme bereits eingeplant sind, treffen im Altbau meist massive, aber akustisch träge Konstruktionen auf dünne Innenwände und Holzbalkendecken. Bevor man Geld in Dämmmaterial steckt, lohnt sich eine ehrliche Bestandsaufnahme: Welche Bauteile übertragen den Lärm tatsächlich, und wo lässt sich nachträglich überhaupt etwas verbessern, ohne die Statik oder den Charakter des Hauses zu beschädigen?
Bei den Wänden ist die Unterscheidung zwischen tragenden und nichttragenden Bauteilen entscheidend. Massive Ziegel- oder Kalksandsteinwände mit ausreichender Dicke bieten von Haus aus einen brauchbaren Schalldämmwert, hier bringt eine zusätzliche Vorsatzschale oft nur wenige Dezibel. Kritisch sind dünne Trennwände, die früher häufig als einschalige Mauerwerkswände oder sogar als Leichtbaukonstruktionen ausgeführt wurden. Wer in diesem Bereich eine neue Raumaufteilung plant, sollte die Trockenbauwand im Altbau planen und dabei von Anfang an auf entkoppelte Unterkonstruktionen und mehrlagige Beplankung setzen, statt später nachzubessern. Eine zweischalige Konstruktion mit Mineralwolle im Hohlraum und getrennten Ständern erreicht deutlich bessere Werte als eine einfach beplankte Wand.
Decken sind im Altbau der schwierigste Fall, weil hier oft Holzbalken mit Einschub und Schüttung verbaut wurden. Diese Konstruktionen leiten Trittschall fast ungehindert weiter. Eine nachträgliche Verbesserung gelingt am ehesten von oben, indem man den Bodenaufbau erneuert und eine schwimmende Schicht mit Trittschalldämmung einbringt. Von unten, also an der Decke des darunterliegenden Raums, lässt sich mit einer abgehängten Unterdecke arbeiten, die über elastische Aufhänger vom Balkenwerk entkoppelt ist. Wichtig ist, dass die Dämmung vollflächig aufliegt und keine Schallbrücken über Leitungen oder Befestigungen entstehen.
Pauschal lässt sich sagen: Massive Wände und Decken lassen sich nur begrenzt verbessern, leichte und hohle Konstruktionen dagegen deutlich. Wer im Altbau saniert, sollte zuerst die Schwachstellen identifizieren und dann gezielt eingreifen, statt flächendeckend Material zu verbauen. Eine fachliche Messung oder zumindest eine genaue Begehung mit dem Zimmerer oder Bauphysiker spart am Ende mehr Geld als der vorschnelle Griff ins Regal mit Dämmplatten.